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News

25.01.2012 - Olpe/Siegen/Erndtebrück

CJD unterwegs zu neuen Ufern

Vorteile oft nicht mehr gefragt

win - Zwar seien die Verantwortlichen nach wie vor aus pädagogischer Sicht der Meinung, dass die stationäre Betreuung von Jugendlichen wie im Jugenddorf Jahrzehnte praktiziert unerreichte Vorteile bringe, doch die Kostenträger drängten auf kostengünstigere ambulante Betreuung, so dass das CJD gezwungen sei, neue Wege zu gehen.

Lebten früher in Wissen, das, obwohl jenseits der Grenze zu Rheinland-Pfalz gelegen, zum Verbund NRW-Süd gehört, über 200 Jugendliche im CJD-Internat, ist dort das Tagesgeschäft komplett weg von der stationären Arbeit. "Das ist absolut schade. Früher war es so, dass die Erzieher mit im Jugenddorf wohnten und ihre Wohnung Teil des pädagogischen Raums war", berichtete Sander. Das CJD suche nun Möglichkeiten, auch auf den neuen Wegen die Kernkompetenzen zu erhalten, für die das Werk stehe. "Es geht um ganzheitliches Lernen. Die Bildung sozialer Kompetenz gehört nach wie vor zu unserem Schwerpunkt", so Reinhardt Seber. Daher stelle sich das CJD nun breiter auf und werde beispielsweise in der Jugendhilfe aktiv. Im CJD Siegen-Wittgenstein sei inzwischen ein regelrechtes Zentrum für traumatisierte Kinder entstanden, die beispielsweise auf einen Reitplatz zurückgreifen können. "Wir wollen insgesamt aktiver im jeweiligen Sozialraum werden", umfasst Michael Weißenfels. Dazu gehöre beispielsweise die Schulsozialarbeit oder die Berufsorientierung und -vorbereitung, die in Schulen immer größere Bedeutung erlangt. "Es wandelt sich kolossal", so Dieter Sander: "Früher sind die Jugendlichen zu uns gekommen, jetzt müssen wir raus zu ihnen." Doch früher wie künftig gelte es, nicht nur reines Wissen zu vermitteln, sondern auch Werte und Norme durch Religionspädagogik, musische Bildung, politische Bildung sowie Sport- und Gesundheitspädagogik.

 

Kooperation mit der Wirtschaft

Viele Möglichkeiten sehen die CJDler in der Kooperation mit der Wirtschaft, die bereits erste Früchte trägt. So ist das CJD im Kreis Olpe seit einiger Zeit auch Kindergartenträger. Kam die erste Einrichtung, die "Flohkiste" Listerscheid, noch mehr oder weniger zufällig an das CJD - der letzte Vorsitzende des sich auflösenden Elternvereins arbeitete beim Jugenddorf - , ist der zweite überhaupt erst in der Hand des CJD entstanden: In Attendorn baute das Werk im Auftrag der Firma Kirchhoff deren Betriebskindergarten auf und betreibt ihn. Dabei soll es nicht bleiben: "Wir bieten uns an, weitere Elternvereins-Kindergärten zu übernehmen oder für Unternehmen als Dienstleister Betriebskindergärten aufzubauen, von der Beratung bis zum ,All-inclusive-Paket"?, so Sander. Denn inzwischen sei vielen Unternehmern klar, dass sie den nicht mehr nur drohenden, sondern in manchen Branchen schon spürbaren Fachkräftemangel nur durch vermehrten Einsatz von Frauen eindämmen könnten, und dazu gehöre es, familienfreundliche Arbeitsplätze anzubieten. "Der Betriebskindergarten kann den Anforderungen der Firma angepasst sein, etwa was die Öffnungszeiten angeht", berichtet Michael Weißenfels, der die Kooperation mit Kirchhoff ausdrücklich lobt. "Das war dort nicht nur Chefsache, sondern Angelegenheit der Familie selbst. Da merkte man, wie wichtig das eingeschätzt wurde." In den anderen Jugenddörfern werden andere Ansätze praktiziert. So bietet das Jugenddorf in Erndtebrück die Tagesmutter-Ausbildung an, so das Interessentinnen nicht mehr bis Siegen fahren müssen. "Wir können viel, durch unser Netz von 150 Jugenddörfern haben wir enorme Kompetenzen. Was wir lernen müssen, ist, diese Kompetenz zu bewerben", fasst Dieter Sander zusammen. In Olpe werde dies seit 2007 mit gutem Erfolg praktiziert. Dabei werde das CJD aber nicht auf jeden Zug aufspringen, wenn dieser aus Sicht des Werks in die falsche Richtung fährt. So halten die CJDler den Schritt, Siebtklässler in die Berufsorientierung zu geben, für verfrüht. Die eigenen Stärken bekannter machen, politische und gesellschaftliche Lobbyarbeit leisten, das steht dem CJD bevor, damit auch in Zukunft der Wahlspruch des Gründers über allem schwebt: "Keiner darf verloren gehen."

 

Quelle: Siegener Zeitung




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Sascha Erlebach
sascha.erlebach@cjd-siwi.de

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